Der Lebenskünstler gilt oft ein wenig als der Hofnarr in der Leistungsgesellschaft. Klug, aber ein wenig faul. Begabt, aber nicht ernsthaft. Das Leben als Kunst, diese Idee scheint uns mit zwiespältigen Gefühlen zu erfüllen: Auf der einen Seite hängen wir dem Lebenskünstler das Bild des leicht anarchischen Verweigerers an, auf der anderen Seite sprechen wir davon, es »sei doch keine Kunst«, wenn wir das Banale, zu leichte und Gewöhnliche verunglimpfen.
Erstaunlich oft beinhaltet das Bild vom Lebenskünstler damit eine neidvolle Selbstanklage, wenn unsere scheinbare Normalität eigentlich »keine Kunst« ist. Und hierin liegt das tragische Missverständnis, denn ist der Lebenskünstler nicht gerade derjenige, der sich im Gegensatz zu uns nicht selbst anklagt?