Ich hatte ein interessantes Gespräch über Sinn und Wirkung persönlicher Weiterbildung. Soll man sich spezialisieren oder von möglichst vielem etwas aufnehmen? Auslöser des Gesprächs waren die großen thematischen Unterschiede der Bücher, die ich lese sowie der Vorträge und Hörbücher, die ich ansehe und anhöre. Neben meiner zeitweise berufsbedingten Konzentration auf bestimmten Themen, nehmen sehr verschiedene Fachrichtungen und Perspektiven einen großen Raum in meiner Lektüre ein. Mir ist das nie als komisch aufgefallen, ist es vielleicht auch nicht.
In dem Gespräch stand aber doch die Frage im Raum, ob das umherschweifende Einsammeln völlig unterschiedlicher Einflüsse Zeitverschwendung ist? Wäre es nicht erfolgsorientierter und effizienter, sich weiter und weiter zu spezialisieren, sich auf das Erreichen einer Exzellenz hin zu fokussieren? Muss man nicht nach dem maximalen Expertentum streben?
Es scheint so zu sein. Der Spezialist verfügt über eine viel leichter zu vermarktende Fähigkeit. Sein Angebot ist klar definierbar und er verfügt über eine unerhörte Autorität in dem von ihm beanspruchten geistigen Territorium. In einem bestimmten Bereich kennt er alle Antworten und zeigt die Lösungen. Deshalb ist er geschätzt, nützlich und wertvoll. In der unübersichtlichen Welt schafft er jene begrenzte Übersicht und Klarheit, die uns eine selbstbewusste Entscheidung ermöglicht.
Doch ein solches Verständnis von Weiterbildung ist sehr funktionsorientiert und damit reduziert. Der Nutzen des Experten entfaltet sich jeweils nur auf einem bestimmten Gebiet, sein Überblick ist Detailwissen und seine Übersicht hat nur in den Grenzen eines bestimmten Denksystems Gültigkeit.