Das Internet repräsentiert in keiner Weise unsere natürliche Art der Kommunikation. Es reduziert die komplexen Facetten zwischenmenschlichen Austausches auf die banalen Möglichkeiten einer mittelmäßigen Software-Architektur.

Der Bedeutungsraum Sprache und die Strukturen menschlicher Verständigung werden herabgebrochen auf digitale Kompatibilität. Kommunikation im Web 2.0 folgt der Reduktionsphilosophie komprimierter Datenpakete. Sprache wird zum mp3-Text mit geringer Datenrate, angereichert durch die Einbindung kindhafter »Emoticons« als vorgestanzte Schrumpfungen unseres emotionalen Spektrums.

Die Idee eines Meinungsaustausches wird zersplittert in die Podiumsrufe endloser Kommentarschleifen. Kommentare suchen kein Gegenüber, sie suchen ein Publikum. Sie erzeugen die Simulation eines Austausches durch die Aneinanderreihung von Monologen. Ein Gespräch wird zum Thread, zum sich kontinuierlich verwirrenden Zwirn anonymisierter Körperlosigkeiten. Das Ziel eines Gesprächs ist das Erreichen von Klarheit. Der Thread jedoch hat kein Ende, er verwirklicht sich in wachsendem Chaos.

Kommunikation im Internet ist nicht menschlich, weil seine Strukturen durch Software vorgegeben werden und nicht durch die Gesprächspartner. Deshalb degeneriert das Internet unsere Kommunikation, wir opfern Tiefe für Masse, Differenziertheit für Geschwindigkeit und wir beginnen, den Meinungsaustausch mit anderen Menschen in Strukturbäumen wahrzunehmen. Wir pressen unseren Geist in Verlaufsdiagramme.

Die Frage, was dieser Web 2.0 Kommunikationscode mit uns macht und welche Auswirkungen er auf persönliche Selbstwahrnehmung und gesellschaftliche Meinungsbildung hat, sollte uns durchaus intensiver als bisher beschäftigen.