Begriffsarbeit

Intellektuelle

Zeitgenossen des intellektuellen Typs sind Individuen, die nach einer Reihe von gescheiterten Weltfluchten damit beginnen, öffentlich darüber nachzudenken, was es bedeutet, hierher zu gehören und einen eigenen Anteil am Gewicht der Welt nicht länger zu verweigern.

— Peter Sloterdijk

Interne Kommunikation ist Marketingkommunikation

Im dichten globalen Wettbewerb ist es wichtig, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu informieren und zu unterrichten, denn es wird viel von ihnen erwartet: Hohe Einsatzbereitschaft und die Flexibilität, immer wieder Neues anzunehmen und umzusetzen. Was in einem Unternehmen heute innovativ ist, kann übermorgen schon veraltet sein. Die Schlagzahl möglicher Veränderungen und Neuerungen ist für Mitarbeiter höher als noch vor wenigen Jahren. Doch während Marketingagenturen und die Abteilungen der Unternehmenskommunikation oft über ein ausreichendes Budget verfügen, wird in die interne Kommunikation nur wenig investiert. Für die Motivation und Information der eigenen Leute stehen oft nur wenige Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung.

Externe Kommunikation übergibt man – wenn man schlau ist – Profis, aber interne Kommunikation ist oft ein selbst gestrickter Mischmasch aus halbherzigen Verlautbarungen und oberflächlichen Halbinformationen. Der Stil der Kommunikation schwankt je nach Verfasser zwischen kumpelhaftem Flurfunk, einer väterlichen Chefdepesche oder einem übertrieben formellen Beamtenstil – alles mit nur geringer Aussage und Wirkung. Umfassende Aufklärung über Hintergründe und Zusammenhänge des Unternehmens und seiner Arbeit kommen in der Regel zu kurz. Diese Art der internen Kommunikation lässt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kalt.

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Glück: nicht drauf rumhauen

Man kann nicht seines Glückes Schmied sein. Glück – hier verstanden als »Glück haben«, nicht im Sinne von »glücklich sein« – dieses Glück bezeichnet genau jene Form der günstigen Wendung, die wir eben nicht schmieden können. Glück zu haben ist eine Gunst der offenen Zukunft und das einzige, was wir im Grunde vermögen, ist uns dem Glück zu öffnen und daran zu glauben, anstatt dem Irrglauben des Schmieds zu verfallen.

Es ist eine entspannte und lebensbejahende Form des Glückshaushaltes, wenn wir erkennen, dass wir keine schweren Hammer zur Hand nehmen müssen. Es gibt nämlich nur eines, was wir brauchen, um Glück zu haben: nämlich einfach ein bißchen Glück.

Kommunikation 2.0 – eine kritische Anmerkung

Das Internet repräsentiert in keiner Weise unsere natürliche Art der Kommunikation. Es reduziert die komplexen Facetten zwischenmenschlichen Austausches auf die banalen Möglichkeiten einer mittelmäßigen Software-Architektur.

Der Bedeutungsraum Sprache und die Strukturen menschlicher Verständigung werden herabgebrochen auf digitale Kompatibilität. Kommunikation im Web 2.0 folgt der Reduktionsphilosophie komprimierter Datenpakete. Sprache wird zum mp3-Text mit geringer Datenrate, angereichert durch die Einbindung kindhafter »Emoticons« als vorgestanzte Schrumpfungen unseres emotionalen Spektrums.

Die Idee eines Meinungsaustausches wird zersplittert in die Podiumsrufe endloser Kommentarschleifen. Kommentare suchen kein Gegenüber, sie suchen ein Publikum. Sie erzeugen die Simulation eines Austausches durch die Aneinanderreihung von Monologen. Ein Gespräch wird zum Thread, zum sich kontinuierlich verwirrenden Zwirn anonymisierter Körperlosigkeiten. Das Ziel eines Gesprächs ist das Erreichen von Klarheit. Der Thread jedoch hat kein Ende, er verwirklicht sich in wachsendem Chaos.

Kommunikation im Internet ist nicht menschlich, weil seine Strukturen durch Software vorgegeben werden und nicht durch die Gesprächspartner. Deshalb degeneriert das Internet unsere Kommunikation, wir opfern Tiefe für Masse, Differenziertheit für Geschwindigkeit und wir beginnen, den Meinungsaustausch mit anderen Menschen in Strukturbäumen wahrzunehmen. Wir pressen unseren Geist in Verlaufsdiagramme.

Die Frage, was dieser Web 2.0 Kommunikationscode mit uns macht und welche Auswirkungen er auf persönliche Selbstwahrnehmung und gesellschaftliche Meinungsbildung hat, sollte uns durchaus intensiver als bisher beschäftigen.

Die Welt ist eine Erzählung

Die Welt ist eine Erzählung

cydonna / photocase.comDie Narration ist die unmittelbarste und umfassendste Annäherung an Wirklichkeiten und Zukünfte. Nur die Erzählung bezieht den subjektiven Innenraum einer Situation mit ein: die Gefühls- und Erlebenswelt. Da keiner von uns jemals diese Perspektive verlassen kann, ist die Narration für uns die wirklichste Wiedergabe einer Situation. Wenn wir auf den Fortgang und die Zusammenhänge unseres Lebens blicken, sehen wir keine Dokumentation, Statistik oder Analyse. Unser Leben erscheint uns gleichsam als eine Art Erzählung. Nur in der Narration können wir deshalb den vollen Realitätsumfang erspüren. Die unpersonale Analyse hat wichtige Funktionen für das Verständnis komplexer Sachverhalte, sie ist aber auch wie das Kochrezept im Vergleich zum Erleben des Essens.

Um den Versuch zu wagen, die Konsequenzen eines Sachverhaltes angemessen einzuschätzen, müssen wir das Erfühlen einbeziehen. Uns besinnen auf den ganzheitlichen Zugang zu den Umständen der Welt, wie sie uns nur die Narration ermöglicht, da nur sie aus der gleichen Richtung auf die Wirklichkeit blickt wie wir.

Kritischer Rationalismus und Wissenschaften öffnen die Welt für das Bewusstsein, aber die Erzählung öffnet den Geist für die Welt.

Will man die volle Bedeutung der Dinge verstehen, die unser Leben formen, muss man eine Geschichte darüber erzählen.

Bildung ist Selbstveränderung

Ich hatte ein interessantes Gespräch über Sinn und Wirkung persönlicher Weiterbildung. Soll man sich spezialisieren oder von möglichst vielem etwas aufnehmen? Auslöser des Gesprächs waren die großen thematischen Unterschiede der Bücher, die ich lese sowie der Vorträge und Hörbücher, die ich ansehe und anhöre. Neben meiner zeitweise berufsbedingten Konzentration auf bestimmten Themen, nehmen sehr verschiedene Fachrichtungen und Perspektiven einen großen Raum in meiner Lektüre ein. Mir ist das nie als komisch aufgefallen, ist es vielleicht auch nicht.

In dem Gespräch stand aber doch die Frage im Raum, ob das umherschweifende Einsammeln völlig unterschiedlicher Einflüsse Zeitverschwendung ist? Wäre es nicht erfolgsorientierter und effizienter, sich weiter und weiter zu spezialisieren, sich auf das Erreichen einer Exzellenz hin zu fokussieren? Muss man nicht nach dem maximalen Expertentum streben?

Es scheint so zu sein. Der Spezialist verfügt über eine viel leichter zu vermarktende Fähigkeit. Sein Angebot ist klar definierbar und er verfügt über eine unerhörte Autorität in dem von ihm beanspruchten geistigen Territorium. In einem bestimmten Bereich kennt er alle Antworten und zeigt die Lösungen. Deshalb ist er geschätzt, nützlich und wertvoll. In der unübersichtlichen Welt schafft er jene begrenzte Übersicht und Klarheit, die uns eine selbstbewusste Entscheidung ermöglicht.

Doch ein solches Verständnis von Weiterbildung ist sehr funktionsorientiert und damit reduziert. Der Nutzen des Experten entfaltet sich jeweils nur auf einem bestimmten Gebiet, sein Überblick ist Detailwissen und seine Übersicht hat nur in den Grenzen eines bestimmten Denksystems Gültigkeit.

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Das Wort als Hülse: Bewusstseinswandel

Die Diskussion um Nachhaltigkeit und eine Änderung unserer Lebensweise befördert den Begriff des Bewusstseinswandels ein weiteres Mal in die Arena des öffentlichen Selbstgespräches. Er steht dort in gewohnt selbstbewusster Pose: als Forderung. In diesem Gestus stiftet dieser Begriff freilich mehr Ärger als Nutzen. Denn unabhängig von intellektuell interessanten Beschreibungen historischen Kulturwandels bekommt der Begriff als rhetorischer Kampfruf den ermüdenden Klang einer Plattitüde.

Bewusstseinswandel als Handlungsempfehlung ist nicht nur eine Phrase ohne reale Substanz (außer vielleicht durch den Einsatz von psychoaktiven Drogen), sondern es ist auch eine Ausgrenzungsvokabel. Wer einen Bewusstseinswandel fordert, der verlangt ihn in aller Regel nicht von sich selbst, sondern vom Anderen. Die Binnenmoral einer bestimmten Gruppierung grenzt sich gegen den vermeintlich falsch Handelnden ab.

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