Leben

Geh doch nach drüben!

Als ich Jugendlicher war, gab es noch die DDR. Für mich, wie wohl für die meisten jungen Menschen in Westdeutschland, war dieses Land ein unlokalisiertes Irgendwo. Genauso wie der sie beinhaltende Ostblock, den man heute nur noch im Fußballstadion vermutet, war das kein wirkliches Land. Nicht wie die Niederlande, Italien, Spanien oder Dänemark, das waren wirkliche Orte. Urlaubsorte meistens und deshalb auf unbestimmte Weise positiv.

Die DDR gab es einfach irgendwo hinter dem Horizont des täglichen Lebens, dort wo auch eine Menge anderer Dinge ihr potenzielles Gewicht vor unserer Jugend verbargen, ohne uns im Weg zu stehen.

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Glück: nicht drauf rumhauen

Man kann nicht seines Glückes Schmied sein. Glück – hier verstanden als »Glück haben«, nicht im Sinne von »glücklich sein« – dieses Glück bezeichnet genau jene Form der günstigen Wendung, die wir eben nicht schmieden können. Glück zu haben ist eine Gunst der offenen Zukunft und das einzige, was wir im Grunde vermögen, ist uns dem Glück zu öffnen und daran zu glauben, anstatt dem Irrglauben des Schmieds zu verfallen.

Es ist eine entspannte und lebensbejahende Form des Glückshaushaltes, wenn wir erkennen, dass wir keine schweren Hammer zur Hand nehmen müssen. Es gibt nämlich nur eines, was wir brauchen, um Glück zu haben: nämlich einfach ein bißchen Glück.

Das Leben, das du retten kannst

Nun sind wir im neuen Jahr. Silvester vorbei, Weihnachten vorbei. Die Weihnachtszeit ist in traditioneller Weise auch Spendenzeit. Vielleicht um den Gewissensschauder während unseres Konsumrausches ein wenig zu beschwichtigen, denken wir ein bißchen an die Armen und Chancenlosen. Zumindest ein paar mehr Menschen als sonst tun das. Wenn wir im Sommer im Park sitzen, dann tun das wieder ein paar weniger. Nun gut, kann man sagen, besser an Weihnachten als nie.

Besser immer. Besser alle. Das fordert der australische Philosoph Peter Singer in seinem neuen Buch The Life You Can Save: Acting Now to End World Poverty. Peter Singer ist einer der bedeutendsten Gegenwartsphilosophen, Moralist, ein bekennender Nicht-Gläubiger und (unverdientermaßen) seit Jahren beliebter Prügelknabe konservativer Christen. Peter Singer ist eine der vehementesten Stimmen für eine humanistische Ethik und für ein moralisch besseres Verhalten gegenüber Menschen und Tieren gleichermaßen.

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Der Neid auf die Neidlosen

Der Lebenskünstler gilt oft ein wenig als der Hofnarr in der Leistungsgesellschaft. Klug, aber ein wenig faul. Begabt, aber nicht ernsthaft. Das Leben als Kunst, diese Idee scheint uns mit zwiespältigen Gefühlen zu erfüllen: Auf der einen Seite hängen wir dem Lebenskünstler das Bild des leicht anarchischen Verweigerers an, auf der anderen Seite sprechen wir davon, es »sei doch keine Kunst«, wenn wir das Banale, zu leichte und Gewöhnliche verunglimpfen.

Erstaunlich oft beinhaltet das Bild vom Lebenskünstler damit eine neidvolle Selbstanklage, wenn unsere scheinbare Normalität eigentlich »keine Kunst« ist. Und hierin liegt das tragische Missverständnis, denn ist der Lebenskünstler nicht gerade derjenige, der sich im Gegensatz zu uns nicht selbst anklagt?

Im Fließgleichgewicht des Lebens

Was ist Charisma? Ein Überfluss an Lebensenergie. Lebensenergie ist die Dankbarkeit unseres Wesens – unserer Seele – dafür, sie selbst sein zu dürfen. Diese Energie entsteht im Zustand einer inneren Ausgeglichenheit, in Momenten seelischer Balance.

Lebensenergie strömt uns zu, wenn wir uns uns selbst zuwenden und wenn wir es zulassen. Wir müssen uns deshalb immer wieder fragen, wie viel Zeit unseres Lebens wir als Ghost In The Machine verbringen und wie oft wir unser Selbst pflegen.

Der Mensch ist, energetisch betrachtet, ein Fließgleichgewicht. Wenn wir unseren Körper als eine konstante Sache begreifen, dann täuschen wir uns. Wir existieren nur als eine Balance aus den Substanzen, die in uns hineinströmen und den Stoffen, die wir abgeben. Unsere Zellen erneuern sich ständig, wir nehmen Nährstoffe auf, verarbeiten sie, geben Reststoffe ab. Wir atmen ein, absorbieren Licht, atmen aus, wir nehmen Energie auf, setzen sie um, geben sie weiter. Wird die Balance unseres energetischen Fließgleichgewichts gestört, werden wir krank oder sterben.

Auch unser Gemüt, unser seelisches Innenleben existiert nur in diesem Sinne: als Fließgleichgewicht. Mein Ich ist ein scheinbar konstantes System, das dennoch völlig offen ist, wie ein Pool aus Wasser im gewundenen Lauf eines Baches. Auch wenn der Pool eine klar bestimmbare Sache ist, ein Ort an den ich wiederkehren kann, so existiert er doch nur durch den Durchfluss des Wassers. Ist dieser Fluss gestört, ist der Pool bedroht. Er trocknet aus oder der Fluss tritt über die Ufer.

Unser Selbst ist ein solcher Pool im Strom des Lebens. Wir sind nur äußerlich etwas Konstantes. In unserem Inneren sind wir damit beauftragt, sorgsam mit der Balance unseres Fließgleichgewichts umzugehen. Wir können keine Energie weitergeben, die wir nicht empfangen haben, sowohl positive als auch negative. Tanken wir keine Energie, dann trocknen wir aus. Und wenn wir Energie empfangen müssen, die wir nicht wieder abgeben können, dann tritt unsere Seele über die Ufer.

Selbstverantwortlich leben heißt, sich um dieses Fließgleichgewicht bewusst zu kümmern. Wir stehen nicht im Fluss des Lebens, wir sind der Fluss des Lebens.